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Gegacker aus dem Hühnerstall: Collin Danielsmeier

Herr Danielsmeier, stand bereits mit Beendigung Ihrer Profikarriere vor drei Jahren fest, dass Sie Trainer und sportlicher Leiter der Young Roosters werden würden?

Collin Danielsmeier: Nein, ich bin ja über meine Kinder erst Richtung Nachwuchs gegangen und da war das in dieser Größenordnung noch nicht absehbar.

Was ist für Sie der größte Unterschied zwischen den Tätigkeiten als Profieishockeyspieler und Nachwuchstrainer?

Collin Danielsmeier: Der größte Unterschied ist mit Sicherheit die Arbeitszeit. Jetzt bin ich oft zehn oder zwölf Stunden am Tag in der Eishalle. Das war als Profi etwas anders.

Sie sind seit zwei Jahren zusätzlich noch für den DEB in der Trainerausbildung und jetzt auch als Techniktrainer für die U-Nationalmannschaften tätig. Wie kann man sich das vorstellen?

Collin Danielsmeier: Bei den Trainerausbildungen bin ich als Referent, Ausbilder und Prüfer tätig. Das heißt, ich halte Vorträge zum Thema Technik wie Schlittschuhlaufen und Stocktechnik,  gehe mit den Trainern auf das Eis und zeige die verschiedenen technischen Bewegungsabläufe und nehme dann auch an den Prüfungen Teil. Seit diesem Jahr leite ich zusammen mit Karl Schwarzenbrunner, dem Bundestrainer für Wissenschaft und Ausbildung, zusätzlich einen eigenen Ausbildungszweig für Techniktrainer. Außerdem habe ich diesen Sommer auch das erste Mal die U18 und U20 während eines einwöchigen Lehrgangs als Techniktrainer begleitet und werde in Zukunft in dieser Funktion auch noch für andere U-Nationalmannschaften tätig sein. Das sieht dann so aus, dass ich mich um die technische Beurteilung und Weiterentwicklung der Spieler kümmere, während die entsprechenden Nationaltrainer die Teams leiten. Auf diese Weise habe ich natürlich auch immer Zugang zu den neuesten Trainingsmethoden und kann mich regelmäßig mit Toptrainern austauschen und das ganze Wissen mit nach Iserlohn bringen. An dieser Stelle möchte ich mich auch noch einmal bei den Young Roosters bedanken, die mir die nötigen Freiräume lassen, um dieser Tätigkeit nachzugehen.

Sie galten während Ihrer Karriere als gute Schlittschuhläufer, aber waren den Experten nicht unbedingt als feiner Techniker bekannt. Wie kamen Sie dazu, sich auf das Techniktraining zu spezialisieren?

Collin Danielsmeier: (lacht) Das stimmt. Ich bin auch in erster Linie über das Schlittschuhlaufen und natürlich über das Interesse an der Spielerentwicklung zu diesem Thema gekommen. Dazu muss man aber auch wissen, dass es außer der Fähigkeit des Vormachens vor allem auch darum geht, die Bewegungsabläufe zu kennen und Fehler erkennen zu können, um sie dann im Detail zu korrigieren. Ich kann der beste Spieler sein, aber wenn ich nicht sehe, wie ich einem Spieler helfen kann, sich zu verbessern, dann ist das nicht viel Wert. Außerdem arbeite ich nicht nur daran, die Spieler zu verbessern, sondern auch viel an meinen eigenen Fähigkeiten und kann sagen, dass sich meine technischen Fähigkeiten vom Laufen bis zum Schießen in den letzten drei Jahren noch deutlich verbessert haben.

Die Young Roosters verfügen über eine ungewöhnlich hohe Anzahl an Trainern, die früher Eishockeyprofis waren wie bespielsweise Sebastian Jones, Boris Blank, Lukas Lang und natürlich Sie. Wie ist das möglich? Was machen die Young Roosters anders als die anderen Eishockeyvereine in NRW?

Collin Danielsmeier: Wir sind einfach ein Verein, bei dem sich viele zuhause fühlen und dem wir gerne etwas zurückgeben wollen. Sebastian Jones, Christian Hommel und ich kommen ja auch von hier und lieben Eishockey und die Roosters. Da ist unser Engagement doch naheliegend und wir sind dem Verein dankbar für die Möglichkeit.

Welche Ziele haben Sie als Trainer und sportlicher Leiter mit den von Ihnen trainierten Mannschaften und mit den Young Roosters insgesamt?

Collin Danielsmeier: Ich vermeide es, Saisonziele für meine Mannschaft auszugeben. Meine Aufgabe ist es, die Spieler individuell besser zu machen und eine bestmögliche Entwicklung zu erreichen. Es ist leicht mit einer Nachwuchsmannschaft Spiele zu gewinnen, wenn man den Großteil der Mannschaft nicht weiterentwickelt, aber das ist nicht das Ziel.Vielmehr sollen die Young Roosters zu einer der Top-Adressen im deutschen Nachwuchseishockey werden. Wir wollen die Infrastruktur weiter verbessern und unsere Trainer und Spieler so weiterentwickeln, dass man trotz der teilweise nicht optimalen Bedingungen nicht mehr an uns vorbeikommt.

Hätten Sie drei Wünsche frei, was würden Sie sich für die Young Roosters wünschen?

Collin Danielsmeier:

  1. Ein Trainingszentrum, wie Mannheim es jetzt baut, mit zwei zusätzlichen Eisflächen.
  2. Eine optimal funktionierende Verbindung von Schule und Sport auf nationaler Ebene wie zum Beispiel in Schweden, damit wir Kinder in beidem bestmöglich ausbilden können, ohne sie immer weiter steigendem Druck auszusetzen.
  3. Mehr Möglichkeiten auch sozial schwächeren Familien, den Zugang zu dieser doch recht teuren Sportart zu ermöglichen.

Letzte Frage: Mit welcher Person würden Sie gerne für einen Tag die Rolle tauschen?

Collin Danielsmeier: Mit Herrn Hopp oder Herrn Mateschitz, dann könnte ich an diesem Tag alles so auf den Weg bringen, dass sich zumindest Wunsch eins und drei erledigt hätte.

 

Autor: Young Roosters, Kategorie: Kategorien Eishockey